Bernhard Blank     
R e t r o s p e k t i v e

Bilder des an Demenz erkrankten Künstlers
aus den Jahren 1980 - 2010



E r ö f f n u n g    Do 11. Dezember 2014   19 - 21 Uhr

A u s t e l l u n g  12.12.2014 - 23.01.2015

 

 

 

Farben, Strukturen, Oberflächen sind die Hauptthemen in den abstrakten Bildern Bernhard Blanks.
Die werkschau.galerie präsentiert in der aktuellen Ausstellung eine Retrospektive der Arbeiten des Künstler, der seit einem halben Jahr in einer Wohngruppe für Demenzkranke in München lebt.
Gezeigt werden Bilder auf Leinwand, Arbeiten auf Papier und Zeichnungen aus den vergangenen 30 Jahren.

Der Text der Eröffnungsrede von Bernhard Blanks Freund Tom Fährmann - vorgetragen von dessen Frau Brigitte Schwacke:
"Du warst die erste Anlaufstelle in München, als ich vor dreißig Jahren wegen meines Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen hierherkam. Mein bester Freund Jürgen kannte Dich noch aus Gießen, wo Du als Elektronik-Experte mit einem Partner einen High End Laden für Audio Equipment betrieben hattest, bevor Du nach München gingst, um dort an der Akademie Malerei zu studieren.
Ich fürchte, Deine Kindheit muss man sich in grellen Schatten vorstellen. Du hattest es schwer als Kind, sehr schwer. Du wärest vielleicht schon lange nicht mehr unter uns, hättest Du damals nicht intuitiv begriffen, dass die Malerei deine Rettung sein könnte. Ich glaube, sie ist deine Rettung geworden.

Bernhard, für mich bist du ein ganz besonderer Mensch. Immer zurückhaltend, mit sanftem Humor, eher still, beobachtend und unglaublich bescheiden. Ein Mensch wie ein Mönch, den Dingen, die Du für wichtig hältst, in ungeheurer Ruhe und Zuversicht verpflichtet, zweieinhalb Kisten Eigentum, davon zwei Kisten Schallplatten, eine kleine Trompete, zwei Bündel Pinsel, Farben und Leinwand, Leinwand, Leinwand.
Und das beeindruckt mich bis heute: Es ist nie mehr geworden. Wie schafft ein Mensch das, in einer Welt, die auf Konsum, Kaufen und Anschaffen ihre brüchigen Säulen baut, nie mehr zu besitzen? Wie kann er wirklich JEDER Versuchung widerstehen, seinen Besitz zu vergrößern? Es ist ganz einfach:
Es hat Dich nie interessiert. Du hast dein Leben der Malerei und der Musik gewidmet. Nein, Du hast nicht gemalt und musiziert, Du hast dein Leben der Malerei und der Musik gewidmet. Alles. Unbedingt. Mit vollem Risiko und mit großem Gottvertrauen. Das klingt unerträglich kitschig und pathetisch. Es wäre schrecklicher Pilcher-Film-Mist, wenn es nicht vor allem eins wäre: Die schlichte Wahrheit.

Unsere Wohnung ist voll mit Bildern, die Du gemalt hast. Du triffst uns mit deinen Bildern oft mitten ins Herz. Und Deine Bilder hängen bei uns seit fast zwanzig Jahren, ohne dass wir je auf die Idee gekommen wären, sie gegen andere auszutauschen. Sie sind stark, leicht, inspirierend und von einer Offenheit, die jeden unserer Lebensabschnitte auf eine neue und andere Weise begleitet.

Deine Art zu malen ist dem Tachismus, dem Action Painting nahe, das Unbewusste ohne die Filter des Bewusstseins direkt auf die Leinwand zu bannen, Gefühle sichtbar zu machen, ohne sie zu bewerten, das scheint mir Dein Weg zu sein. Du hast Dich immer in ruhigen, meditativen Phasen aufgeladen, um sodann die so gewonnene Energie quasi in einem Schwall auf dem Papier zu entladen.
Kräftige kalligraphische Elemente in Graphit oder Kreide stehen da neben zarten Farbflächen, fast wässrig, oft an kristalline Strukturen erinnernd. Zu vielen dieser Bilder hat Dich Musik inspiriert, besonders und vor allem die von Miles Davis. Ich denke, diese Art materiell bildhafter Annäherung an Deine emotionalen Binnenwelten ist die eine tragende Säule Deines künstlerischen Schaffens.
Daneben gab es immer mannigfaltige Arbeiten zu Struktur. Da laufen zahllose Farbtropfen über die Leinwand und bilden lasierende Kaskaden von unendlicher Dichte und Tiefe. Da tanzen kleine immer wiederkehrende Pinsel-Attitüden auf changierenden, quadratischen Farbflächen wie nächtliche Schneeflocken im Licht einer Laterne. Und immer ist alles von faszinierender Durchsichtigkeit, und Transparenz. Immer entsteht Raum und immer ist das Bild eher eine Frage, denn eine Antwort. Selbst da wo Du, Bernhard, expliziert über Struktur arbeitest, gelingt es Dir, Strukturhaftigkeit als brüchiges Konstrukt zu formulieren.
Vielleicht ist das die inhaltliche Quintessenz Deines Schaffens, Dir und damit auch uns die Fragilität unseres Lebens deutlich zu machen, erfahrbar zu machen, wie dünn das Eis ist, auf dem wir uns alle bewegen. Und dass Du diese Botschaft in eine so heitere, leichte Form kleidest und ihr damit jedwede Schwere nimmst, das glaube ich, ist Dein ganz besonderer Verdienst. Dafür danke ich Dir.

Deine Bilder erzählen nicht von der unerträglichen Leichtigkeit des Seins, sondern von der wunderbaren Leichtigkeit des Seins.
Von Deinen Bildern begleitet zu sein, empfinde ich als ein Privileg, das am heutigen Abend noch jeder erlangen kann, sofern er schnell genug ist und eines Deiner Werke zu seinem macht."

München im Dezember 2014
Tom Fährmann